Aktuelle Kolumne

An dieser Stelle können Sie alle drei Wochen eine aktuelle, provokative Kolumne lesen.
Autor ist Benjamin Styger, Geschäftsführer von nullachtsechzehn communications.

Die Kolumne erscheint jeweils im "Tagblatt der Stadt Zürich" in der Rubrik "Persönlich".

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Relatives Trotzen

 

Seit gestern kenn ich die Relativitätstheorie

von Einstein. Kann sie so richtig nachvollziehen.

Habs in sonem Heftli gelesen im Wartezimmer.

Gar nicht so schwer, kann sie Ihnen mal erklären,

wenn Sie wollen. Also eigentlich kann ich sie ja auch

erklären, wenn Sie nicht wollen. Das ist ja das Gute

an so einer Kolumne. Sie lesen sie ja sowieso.

 

Sehen sie? Sie sind immer noch dran.

Gut, vielleicht wollen Sie mir ja auch nur Trotzen.

„Der Styger soll nur nicht meinen, er könne mich

 verarschen!“, sagen Sie sich.

Aber ich schwörs Ihnen, sie verpassen nix. Da ist

überhaupt nichts hinter dieser Kolumne. Ausser meine

Relativitätstheorie natürlich. Aber die hab ich eh von

Einstein. Also genauer gesagt von diesem Heftli.

Aber wir waren ja beim Trotzen stehen geblieben.

Trotzen ist super. So einfach aus Prinzip.

Trotztrotztrotz.

Trotzen konnt ich schon immer gut.  Wobei:

Sie sind also auch nicht schlecht.

Sind ja immer noch am Lesen.

 

Also, ich erklär Ihnen jetzt mal die Relativitätstheorie.

Einstein hat übrigens auch getrotzt. Aber das nur

so am Rande. Also das geht so: Es geht um die

Raumzeit. Wenn sie ein Tischtuch spannen und

eine grosse Kugel drauflegen gibt’s ne Einbuchtung

und die Kugel ziehts nach unten. Und die Kugel

ist die Erde. Und wenn man Kiesel um die Einbuchtung

legt, fallen sie gegen die Kugel, also die Erde.

Und das ist bei den Planeten eben auch so.  

Oder so ähnlich.

 

Ok, ich gebs zu, etwas verwirrend. Ist aber auch

relativ kompliziert, diese Theorie.

Aber Sie können ja selbst das Heftli kaufen, wenn’s

Sie wirklich interessiert. P.M. heissts.

 

Die sollten mal was übers Trotzen schreiben.

Da könnten wir viel über uns lernen. Sie und ich, mein ich.

Schliesslich sind Sie ja immer noch dran.

 

Haben Sie sich eigentlich schon mal überlegt,

was der rote Faden in dieser Kolumne ist?

Sollte man immer haben in ’ner Kolumne.

So ohne Faden geht nix. Ist gar nicht gut, sagen Experten.

Dann hält der Leser nicht mit und hängt ab.

 

Es sei denn er trotzt.                     

 

Benjamin Styger

 

 

 

 

 

 

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